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Allein an Feiertagen? – Nicht mit mir! | Sabine*

von Walter Lutz | 18. Apr. 2019 | Allgemein

Ich bin Anfang vierzig, seit fast einem Jahr wieder in Ostasien*, dieses Mal hauptsächlich um eine sehr fremdartige Sprache und Denkweise kennenzulernen.
Als letztes Jahr der erste Advent näher rückte, wurde mir plötzlich bewusst, dass ich dieses Mal alleine dasitzen würde mit meinem schönen Kranz, Kerzen, Kaffee und Plätzchen, es sei denn, ich würde andere Leute zu mir einladen. Gemäß dem Motto “Niemand muss am Advent alleine sein” habe ich also am ersten Advent die fünf, sechs Singles meiner Ausländergruppe eingeladen. Eine ca. 60-jährige Frau hatte genau in dieser Zeit solche Kontaktmöglichkeiten gesucht. Letztlich erlebten wir eine schöne Zeit mit Adventsgedichten, Gesprächen, Geschichten und natürlich der ersten Adventskerze. Ganz nebenbei vernetzten sich Mitarbeiter der gleichen Universität, um ihren außerunterrichtlichen Einsatz zu koordinieren.
Im Februar habe ich erneut verschiedene Singles aus meiner Sprachschule und aus kleinen internationalen Versammlungen eingeladen. Manche der Gäste aus West und Ost kannten sich untereinander schon jahrzehntelang, aber die meisten waren sich gegenseitig völlig fremd. Nach Kaffee und Kuchen gab es einen Austausch zu dem Thema “Acht Wochen nach den Neujahrsvorsätzen – Wie geht’s, wie steht’s?” Zunächst bekam jeder Gast einen Zahnstocher. Auf dem Couchtisch lagen eine Orange und ein Apfel. Wer nie Vorsätze macht, durfte seinen Zahnstocher in die Orange stecken, wer manchmal oder regelmäßig Vorsätze fasst, stach in den Apfel. Nicht zum großen Erstaunen aller glich der Apfel am Ende einem Igel, während die Orange mit ihren wenigen Zahnstochern eher an den fast glatzköpfigen Papa Moll erinnerte. Wir sind also Experten in Sachen Vorsätze.
Warum machen wir Menschen uns eigentlich Vorsätze? Nach einem kurzen Gespräch darüber legte ich eine Skala auf den Tisch. Sie reichte von “Ich mache gar keine Vorsätze” über “Ich halte manche Vorsätze noch durch, andere habe ich schon aufgeben” bis “Ich halte alle meine Vorsätze noch”. Wir legten unsere Zahnstocher entsprechend unserer Situation auf die Skala. Die meisten Zahnstocher lagen im Mittelfeld. Also manche Vorsätze waren im Februar bereits aufgegeben. So entstand ein Gespräch darüber, wie wir Vorsätze besser fassen können, und was eigentlich das große Buch zu Vorsätzen sagt. Wirklich begeisternd, wie gut sich die neun Frauen und zwei Männer – die meisten von ihnen als Fremdsprachendozenten tätig und zwischen dreißig und sechzig – miteinander ausgetauscht haben!
So darf ich auf einen sehr lebendigen, gelungenen Treff zurückblicken und habe dabei gleichzeitig eine schöne Geburtstagserinnerung!
Der nächste Single-Treff wird im April im Freien sein. Es ist eine echte Win-Win-Situation: Ich erlebe viel Dankbarkeit bei den Singles, die so andere Singles kennenlernen, und bin selbst sehr erfüllt, wenn ich Gäste verwöhnen oder ein Miteinander organisieren kann.
* Das Land können wir aus Sicherheitsgründen nicht nennen. Auch der Name der Autorin wurde verändert. Red.