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Es gibt so viel, was man nicht muss | Patricia

von Walter Lutz | 3. Apr. 2019 | Allgemein

Ich habe diesen Satz in Tomas Sjödins Buch „Es gibt so viel, was man nicht muss“ gefun­den. Fast ganz am Ende, aber das spielt keine Rolle. Denn das Buch besteht aus 77 kurzen Kolum­nen, die man nicht hintereinander lesen muss, sondern einfach so, wie sie einem beim Blättern zufallen. Dieser Satz hat mich berührt. Gerade weil da niemand ist, dem ich so eben mal was erzählen kann.
Der Autor, ein schwedischer Pastor, erinnert sich mit diesem Satz an ein prägendes Erlebnis seiner Kindheit. Er kam aus der Schule und war so erfüllt von dem, was er dort erlebt hatte, dass er auf keinen Fall zur Toilette gehen konnte, bevor er es nicht seiner Mutter erzählt hatte. Dabei musste er so dringend aufs Klo. Und was tat die Mutter? Sie stellte sich vor die Bade­zim­­mer­tür und lauschte der Erzählung von außen durch den Spalt der halb offenen Tür. Auch 40 Jahre später steht ihm dies Bild noch ganz lebendig vor Augen.
Die halb geöffnete Tür ist zum Bild seiner Sehnsucht geworden: „Dass ich es wage, die Tür immer einen Spaltbreit offen zu lassen, damit die eigenen Erzählungen hinausfinden und die der anderen hinein. Keine sperrangelweit offene Tür, aber auch kein zu kleiner Spalt.“ Nur durchs Zuhören und Fragenstellen (siehe Lukas 2,46) bekommen wir Zugang zur Welt des anderen, kann Verbindung wachsen. Das stimmt mich leise froh. Ein wunderbares Buch über die kleinen Schätze des Lebens. Leseprobe
Tomas Sjödin: Es gibt so viel, was man nicht muss, SCM, gebunden, 256 Seiten, 16,99 Euro