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Friede, Freude – Pustekuchen

von Walter Lutz | 11. Juni 2017 | Allgemein

Niemand hat gern Konflikte. Sie treten dennoch auf – selbst unter Christenmenschen. Auch in Gemeinschaften. Gerade dort. Darüber habe ich gerade im Diakonissenhaus Riehen beim Gemeinschaftstag länger gesprochen.

Wir können drei Grundkonflikte unterscheiden:

Sein oder Nicht-Sein

Schon die Jesusjünger stritten darum, wer der Größte unter ihnen sei, nachzulesen in Lukas 22, 24-30. Auch wir sind uns manchmal unsicher über die eigene Bedeutung und Identität. Deshalb müssen wir uns beweisen: Wer ist der Beste, Fleißigste, Beliebteste? Manche müssen immer dominieren oder zeigen, dass sie unverzichtbar sind. Vielleicht weil es eine große Verletzung gab. Es geht also um Sein oder Nicht-Sein. Die Bibel weist den Ausweg: Der Größte unter euch muss wie der geringste werden und der Führende wie einer, der dient. Keine einfache Lösung erstmal. Aber Jesu hat’s vorgemacht: Als er nach dem Abendmahl aufstand, seinen Jüngern die Füße wusch und sie aufforderte, einander das Gleiche zu tun, hat er gewusst, wer er war. Er kannte seine Identität in Gott und musste niemandem etwas beweisen.

Haben oder Nichthaben

1. Mose 13 erzählt einen Konflikt um Weideland. Auch heute eskalieren Nachbarschafts- und Familienkonflikte aus Neid und Missgunst.

Falsch oder richtig

Bereits in der Jerusalemer Gemeinde gab es einen Konflikt um den Umgang mit den Nichtjuden, die Christen geworden waren (Apostelgeschichte, Kapitel 15). Dieser konnte – nach einer Auseinandersetzung – durch einen guten Kompromiss beigelegt werden. Konflikte um „falsch oder richtig“ lassen Beziehungen auseinanderbrechen ebenso wie Familien und Gemeinschaften. Das müsste nicht sein, wenn sie auf gute Weise ausgetragen werden. Wer seine Identität in Gott entdeckt und darauf sicher vertraut, muss sich nicht mehr durch Leistung, Besitz oder Rechthaben beweisen.

Aber wenn doch die Gefühle über einem zusammenschlagen? Ich habe mir angewöhnt aufzuschreiben, was in mir bei einem Konflikt abläuft. Damit gewinne ich Abstand. Und ich nehme mir Zeit, um auf Gott und mich selbst zu besinnen. Ich frage mich: Wo liegt meine eigene Rolle im Konflikt? Ich bin da nicht nur das Opfer. Es ist gut, einen schwelenden Konflikt auf den Tisch zu bringen, damit der Schaden nicht noch grösser wird. Zwar ruft das Ansprechen unangenehme Reaktionen hervor, aber je länger ein Konflikt vor sich hin schwelt, desto schwieriger ist er dann zu lösen. Ganz wichtig: Ein Klima der Wertschätzung entzieht Konflikten den Boden. Das schließt Zuhören und Ausredenlassen ein.

Wo ich meine Würde und Stellung als Kind Gottes erkannt habe, da kann ich aus meiner Freiheit heraus entscheiden und auch einmal verzichten oder eine Unterschiedlichkeit aushalten, ohne zum Opfer zu werden, sondern um Sieger zu sein und für künftige Konflikte zu lernen.

Oft gehört zur Lösung eines Konflikts auch die gegenseitige Vergebung, sie schafft die Basis für einen neuen Umgang miteinander. Vergebung ist aber nicht der Teppich, unter den dann alle Unterschiedlichkeit gekehrt werden kann!

Wer mehr wissen möchte, schaut mal in mein Buch: Friede, Freude – Pustekuchen! Wie uns die Bibel hilft, Konflikte zu bewältigen.