Beim Thema Single-Sein muss ich sofort an die vielen überraschten Anfragen in Ghana denken. Für Afrikaner ist es unvorstellbar, dass eine Frau nicht verheiratet ist und – noch unvorstellbarer – keine Kinder hat. Es gab immer wieder mehr oder weniger ernst gemeinte Angebote, diesen untragbaren Zustand zu beheben. Junge Männer konnte ich meist abhalten mit der Aussage, dass sie darüber mit meinen Eltern (in Deutschland) reden müssen. Die schon verheiratet waren, verstummten bei meiner Feststellung, dass es in der Vielehe keinen Frieden gibt. Aber als mir einmal eine verheiratete Frau ihren eigenen Mann anbot, war ich doch erstmal sprachlos.
Single in der Mission zu sein ist für mich ein lebenslanger Weg, immer wieder neu die Gelegenheiten und Vorteile zu sehen und nicht an den Dingen hängenzubleiben, die mir auch mal schwerfallen.
Bevor ich ins Ausland ging, hatte ich eine ganz klare Erfahrung mit Gott, nachdem eine mehrjährige Freundschaft mit einem jungen Mann zu Ende ging. Durch Verse aus Jesaja 54 wurde mir tief im Herzen bewusst, dass ich Gottes Liebe und Führung vertrauen kann, gerade auch als alleinstehende Frau, und er durch mich Dinge tun kann, die als verheiratete Frau mit Familie nicht möglich wären.
In Ghana bedeutete das einen Dienst, der mich auf Reisen ins ganze Land führte, um einer einheimischen Kirche zu helfen, ihre Kinderarbeit aufzubauen. Wenn wir Seminare abhielten, konnte ich ohne viel Umstände mit den Pastorenfamilien wohnen, hatte Zeit für Gespräche zu (fast) jeder Tageszeit, und konnte flexibel auf unerwartete Besuche und Gelegenheiten reagieren. Durch meinen engen Kontakt mit afrikanischen Familien bekam ich einen tiefen Einblick in ihre Lebensweise, ihre Sorgen und Freuden, und wie sie das Leben meistern. Ich wohnte mit einem einheimischen Mädchen zusammen, wodurch viele junge Leute mit Selbstverständlichkeit bei uns ein- und ausgingen, und wir oft tiefe lange Gespräche hatten.
Als meine Eltern alt wurden und Hilfe brauchten, kam ich nach Deutschland zurück um für sie da zu sein und sie bis zum Abschied zu begleiten. Nebenher hatte ich regional Gelegenheiten, um zu den verschiedensten Themen in Gemeinden zu sprechen, an Missionskonferenzen teilzunehmen und den WEC bekannt zu machen. Freunde im Dorf und der Gemeinde waren mir eine große Unterstützung in dieser Zeit.
Der Weg hat mich dann zu einer mehrjährigen Weiterbildung in Kalifornien geführt. Als Mitvierzigerin wieder ein Studentenleben führen war eine herrlich horizonterweiternde Erfahrung. Ohne Verantwortung für Familie genoss ich das Vorrecht, mich ganz in die faszinierenden Themen meines Studiums über interkulturelle missionarische Arbeit zu vertiefen. Die Wohngemeinschaft mit jungen Frauen aus anderen Kulturen war spannend, charakterbildend und bereichernd. Auch hier konnte ich als Single einfach mit anderen abhängen und viele spontane Gelegenheiten wahrnehmen.
Jetzt lebe ich seit einigen Jahren wieder in Deutschland in meinem Heimatdorf Tiefengrün in Oberfranken. Von hier aus bin ich wieder viel auf Reisen. Ich betreue die Leiter in über 20 Ländern, die neue Mitarbeiter vorbereiten auf einen Missionsdienst. Dabei ist wieder viel kulturelle und praktische Flexibilität gefragt.
Leben allein in der ländlichen Gegend meines Heimatdorfes ist eine Spannung zwischen den guten Freunden und den heimatlichen Gefühlen, die ich hier habe, und der großen internationalen Spannweite meiner Arbeit, die sehr viel online stattfindet. Ich bin sehr dankbar für die verschiedenen Gruppen – präsent und online, in denen ich anderen begegne und wir miteinander den Weg mit Jesus gehen.
Birgit Herppich, Tiefengrün











