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Wer von etwas ergriffen ist, der kann auch loslassen

von Walter Lutz | 25. Aug. 2017 | Allgemein

Wer von etwas ergriffen ist, der kann auch loslassen, hat der Theologe H.-J. Eckstein gesagt. Vor sechs Jahren flatterte mir eine Postkarte mit diesem Satz ins Haus. Auf dem Bild stiegen viele bunte Luftballons in luftige Höhe auf. Mit dieser Karte meldete sich eine Freundin zu einem Fest an, in dem ich meinen Schritt in die Ehelosigkeit um Jesu Willen festmachen und feiern wollte. Diese Karte freute mich so, denn sie zeigte mir, dass sie ein bisschen von dem verstanden hatte, was mich umtreibt.
Lange hatte ich die Frage der Ehelosigkeit für mich bewegt. Während stiller Tage im Kloster erlebte ich Gottes Gegenwart so tief und intensiv, dass ich vor Freude hätte platzen können. Ich konnte nicht anders als mich ganz auf IHN einzulassen. – Übrigens habe ich das so intensiv nie wieder erlebt, manchmal wünsche ich mir das nochmal zurück. – Zunächst ließ ich mich von meiner geistlichen Begleiterin für den Weg in die Ehelosigkeit segnen. Erst später wuchsen in mir der Wunsch und der Mut diese Lebensentscheidung auch öffentlich zu feiern.
Ich rief unseren Pfarrer an und bat um ein „Traugespräch“, zu dem ich allerdings allein kommen würde. Meine Landeskirche kennt keine liturgische Form für meinen Wunsch, mich mit Haut und Haar der Liebe Jesu zu verschreiben. Wir feierten einen Segnungsgottesdienst in der Dorfkirche. Einer couragierten Mesnerin habe ich zu verdanken, dass zu Beginn des Gottesdienstes die Glocken läuteten.
Während des Festes spürte ich eine unbändige Freude und denke, dass der Funke auch auf meine Gäste übersprang. Nicht wenige von ihnen waren zunächst äußerst skeptisch gewesen: „Ja, es ist ja toll, wenn du mit deinem Leben als Single klarkommst, aber musst du dich denn so festlegen? Es könnte doch noch einer kommen …!“ Ja, ich habe gewählt, mich entschieden und erlebe dadurch eine ungeahnte innere Freiheit. Ich merke, dass Gott sich seither nochmal anders zu meinem Leben gestellt hat, und spüre immer wieder seinen Segen und seine Vollmacht.
Und seither ist mein Single-Leben nur noch glücklich und einfach – nein, das ist nicht wahr. Auch ich kenne Tage der Einsamkeit oder der Trauer darüber, dass ich keine Kinder habe. Und auch ich muss darum kämpfen, dass meine Beziehung zu Jesus lebendig bleibt, dass unsere Beziehung auch in einem vollen Alltag genügend Raum bekommt. Ich glaube, dass Gott gerade das, was nicht leicht ist bei uns, für andere fruchtbar machen kann.