Der Podcast sagt: Zufälle entstehen, wenn sich zwei Handlungsstränge kreuzen. Und mir geht durch den Kopf: Will ich das so sehen, oder gibt es auch noch eine andere Deutung?
Der „andere Jahreswechsel“ beginnt am Samstag, aber ich habe solche Rückenschmerzen, dass ich erst am Sonntag anreise. Die Freundin, mit der ich zusammen das Zimmer teilen will, wird in der Nacht von Samstag auf Sonntag so krank, dass sie Sonntag schon wieder abreist. Die Mitarbeiterin, die mit meiner Freundin im Auto zum anderen Jahreswechsel gefahren ist, wird auch krank. Sie hatte sich bei meiner Freundin angesteckt. Und nun werde ich angefragt, ob ich nicht die ein oder andere „verwaiste“ Aufgabe übernehmen kann.
Zufall, dass ich Rückenschmerzen hatte? Gottes Führung? Denn hätte ich die Nacht mit meiner Freundin im selben Zimmer verbracht, dann wäre ich wahrscheinlich auch krank geworden.
„On Stage“ ist der Abend, den die Teilnehmenden mit ihren Beiträgen selber gestalten. Von zehn Beiträgen sind fünf musikalisch. Zufall oder Gottes Führung? Der Abend bekommt dann einen ganz anderen Drive, als wenn wir viele lustige Beiträge gehabt hätten. So hatten wir tolle TeilnehmerInnen, die für den Silvesterabend und für Tafelmusik zwischen den Gängen des Silvestermenüs etwas beitragen konnten. Zufall oder Gottes Führung?
In einer Gesprächsgruppe entsteht das Thema Umgang mit unerfülltem Kinderwunsch. Ich werde gefragt, ob ich etwas dazu sagen kann und mit den Frauen darüber rede. Ich sage zu und wir sitzen beim Mittagessen zusammen. Ich erzähle meine Geschichte mit meinem unerfüllten Kinderwunsch. Ich wollte immer heiraten und fünf Kinder bekommen, aber die Zeit verging und der passende Vater dazu wurde nicht gefunden. Zu erzählen, wie die Zeit verstrich und ich mich nicht mit dem Gedanken anfreunden konnte, Solomutter zu sein, also Kinder zu bekommen ohne einen präsenten Vater. Zu erzählen, wie die Menschen in meinem Umfeld damit umgegangen sind, dass es kein Partner und keine Kinder gab oder die Fragen, die Frau dann beantworten muss, hat mich und meine ZuhörerInnen zu Tränen gerührt.
Aber es war auch wichtig zu erzählen, was ich mit Kindern erlebt habe, die nicht meine sind. Wie ich beschenkt worden bin auf ganz andere Art und Weise. Ich habe erzählt, wie ich gestalten und prägen konnte, auch wenn es nicht meine eigenen Kinder sind. Die jungen Frauen fragen nach und ich merke am Ende des Gespräches, dass ich gesegnet bin. Beim Erzählen wurde mir klar, dass da vieles in meinem Leben auch ohne Kinder rund geworden ist. Mein Stachel im Fleisch? Zufall oder Gottes Führung?
Ich bin da auf der Seite von Gottes Führung. Ich bin dankbar dafür, dass die Rückenschmerzen wieder weg sind. Ich bin dankbar dafür, dass ich einspringen konnte für die, die krank geworden sind. Was für ein Geschenk, dass Menschen ihre Gaben eingebracht haben und Open Stage und das Silvestermenü so bereichert haben. Wie gut hat es Gott geführt, wenn wir untereinander ehrlich sein können und erzählen können von dem, wo wir Schmerz erlebt haben. Was für ein Geschenk, die Empathie anderer mitzuerleben und sich durch die Gemeinschaft getragen zu wissen.
Gottes Führung, das heißt für mich, dass die Handlungsstränge zusammenkommen. Oder: Der Mensch denkt und Gott lenkt. Ich kann besser mit dem Gedanken leben, dass Gott Möglichkeiten schafft, als alles dem Zufall zu überlassen. Bei dem Gedanken, dass Gott diese Möglichkeiten schafft, entsteht in mir eine Dankbarkeit. Damit habe ich auch ein Gegenüber, wo ich meine Dankbarkeit hingeben kann.
Ich denke, dass es auf diesem Jahreswechsel ganz viele Handlungsstränge gab, die sich gekreuzt haben; dass Gespräche geführt worden sind, die weitergehen. Ich glaube, dass die Inputs am Morgen, die Möglichkeit der Stillen Zeit, die Nischen, Seminare und einzelnen Gespräche dazu führen, dass sich im Leben der Teilnehmenden und Mitarbeitenden etwas verändert.
Ich will mit diesem Gott rechnen, der uns so überreich durch die Begegnung mit anderen – durch die „Zufälle“, die das Leben so mit sich bringt, beschenkt hat. Was für ein Gott, der uns Menschen mit hineinnimmt, um am Gegenüber zu handeln. Ich will in Zukunft noch aufmerksamer sein, um noch mehr zu entdecken, wo Gott das Kreuzen von Handlungssträngen nutzt, um zu handeln.
Ich wünsche euch dabei viel Freude und Dankbarkeit für das, was ihr dann entdeckt.
Sabine Lente, Bonn











